Fälle aus Niedersachsen

Einige Betroffene aus Niedersachsen, deren „Fälle“ in neuerer Zeit im Bericht oder der am 06.12.2017 durchgeführten Veranstaltung der „Niedersächsischen Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der Schicksale im Zusammenhang mit dem sogenannten Radikalenerlass“ (siehe Vorspann), bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin am 14. Juni 2012 oder auf berufsverbote.de oder in anderen Medien öffentlich vorgestellt wurden

 

Elisabeth Adler (Varrel)

Nach ihrem Referendariat an einer Schule in Varrel wurde sie nicht direkt übernommen, sondern bekam eine Ladung zur „Anhörung“, der eine zweite folgte. Diese Wartezeit war sehr zermürbend, da kein Lebensschritt weiter geplant werden konnte. Wegen des Vorwurfs, als Studentin Mitglied im MSB-Spartakus gewesen zu sein und vor 5-6 Jahren für diesen kandidiert zu haben, wurde sie viereinhalb Stunden verhört. Die Fragen waren zum Teil ungebührlich und nicht immer auf Tatsachen beruhend, um so den gezielten Zermürbungsprozess voranzutreiben. Sie erwartet, dass der niedersächsische „Aufarbeitungs“-Arbeitskreis die Parteien zu einer klaren Positionierung bringt. Durch den „Radikalenerlass“ sie ihre Gutgläubigkeit in den Staat verloren. Die Freiheit des Andersdenkenden sei ein hohes Gut, welches die staatlichen Institutionen schützen müssen.

 

Cornelia Booß-Ziegling (Hannover)

Kurzbeitrag in Berlin zu „Briefkastenangst und Begegnung mit Willy Brandt“

 

Jutta Bosch-Peckmann (Braunschweig)

 

Karl-Otto Eckartsberg (Garbsen)

Er wurde mit dem Vorwurf konfrontiert, für die DKP zu kandidieren, und aufgrund dessen an der IGS Garbsen vom Dienst suspendiert. Zuvor hatte er schon für die SPD kandidiert. Daraufhin begann er ein Jurastudium. Das Oberverwaltungsgericht hob nach einigen Jahren sein Berufsverbot auf, sodass er wieder in den Schuldienst eintreten konnte. Für ihn stand immer fest, dass er vor Gericht am Ende sein Recht bekommen würde. Er bekam in dieser Zeit viel Solidarität von Freunden, Kollegen und seiner Familie. Die „Anhörkommission“ war für ihn blanker Hohn. Der Radikalenerlass sorgte für seinen Austritt aus der SPD und gleichzeitig für den Eintritt in die DKP. Unter Aufarbeitung versteht er, dass die „Fakten alle und uneingeschränkt auf den Tisch kommen“. Zusätzlich müssten sich die politischen Parteien dazu klar positionieren.

 

Thomas Eilers (heute Wiesbaden, damals: Thomas Spohr, Hannover)

Er beendete sein Referendariat an der IGS Roderbruch und durfte anschließend seinen Dienst nicht aufnehmen, da der Schulleiter noch keine Einstellungszusage bekommen hatte. Anschließend versuchte er über das Arbeitsgericht als Angestellter an die Schule zu gelangen. Das Landesarbeitsgericht entschied jedoch, dass Lehrer nur als Beamte an staatlichen Schulen unterrichten könnten. Während seiner zweijährigen Arbeitslosigkeit erhielt er viel Solidarität von der GEW und vom Heinrich-Heine-Fonds, aus der er auch psychische Energie ziehen konnte. Anschließend nahm er eine Lehrstelle zum Tischler auf, die er 1982 abschloss. Im Anschluss daran ging er mit seiner Frau nach Südamerika um dort an einer „Berufsschule“ bis 1989 zu arbeiten. Damals bekam er ein Angebot einer Lehrerstelle in Wiesbaden, welche er auch annahm. Seiner Meinung nach lassen Berufsverbote ein Stigma in der Gesellschaft zurück, welches sich bis heute durchzieht. Von dem Arbeitskreis erwartet er, dass das Thema „Berufsverbote“ mehr in die Öffentlichkeit gelangen muss.

 

Hubert Franke (Braunschweig)

 

Rolf Günther (Wolfenbüttel)

Ein bereits am 09.10.2014 online ausgestrahltes NDR-Interview mit dem vom Berufsverbot betroffenen Lehrer wurde am 24.01.2017 auf der NDR-Website zugänglich gemacht (pdf) und wird dort kommentiert.

 

Horst-Eckart Gross (Oldenburg)

Der Mathematiker wurde an der Universität Oldenburg nicht eingestellt. Da er seinen Beruf nie wieder ausgeübt hat, musste er sein Leben komplett neu organisieren. Er erhielt zwar viel Solidarität, aber als diese Phase abnahm, empfand er dies als besonders schmerzlich.

 

Dorothea Holleck (Hannoversch Münden)

 

Udo Lammers (Leer)

Über seinen „Fall“ berichtete der Deutschlandfunk am 27.11.2017

 

Wolfgang Liß (Hannover)

 

Johannes Meyer-Ingwersen (1940-2000):
Den in Baden-Württemberg, Bremen, Hessen und auch in Niedersachsen (unter dem Kultusminister Peter von Oertzen) spielenden „Fall“ dieses früh verstorbenen Sprachwissenschaftlers stellen wir auf einer eigenen Sonderseite dar.

 

Udo Paulus (Hildesheim)

Der heute pensionierter Gesamtschullehrer, Jahrgang 1945, musste im Herbst 1984 einen zehntägigen (!) Prozess vor der Diszplinarkammer des Verwaltungsgerichts Hannover durchstehen, weil die damalige CDU-Landesregierung unter Ernst Albrecht (1930-2014) ihn wegen seiner DKP-Mitgliedschaft „aus dem Dienst entfernen“ lassen wollte. (In einem Parallelprozess trat der spätere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder (geb. 1944) als Verteidiger auf.) Über das Verfahren berichtete u.a. DIE ZEIT am 21.09.1984 (pdf). Ausführlich informiert darüber die 154seitige Broschüre „Demokratie vor Gericht. Der Paulus-Prozeß. Protokoll eines Berufsverbotsverfahrens“ (Hannover o.J. [Privatdruck 1985])

Seit 2014 ist Udo Paulus durch einen Fahrradunfall irreversibel gelähmt. Dank einer Spendenaktion der Familie und der anderen Berufsverbote-Betroffenen aus Niedersachsen kam in sechs Wochen das nötige Geld zusammen, damit er vom Krankenbett aus wieder einen Computer bedienen kann. An der Konferenz der Betroffenen am 24.10.2015 in Hannover konnte er für kurze Zeit im Rollstuhl teilnehmen.

 

Peter Rosenbaum (Braunschweig)

 

Matthias Schachtschneider (Oldenburg)

 

Gabriele Sprigath (heute München) 

Kurzbeitrag in Berlin zu „Demokratie und Linkenhatz“

 

Franziska Tunze (Wilhelmxhaven)

 

Dorothea Vogt (Jever)

klagte 1995 erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (siehe eigene Sonderseite)

 

Matthias Wietzer (Hannover)

Kurzbeitrag in Berlin zu „Einschüchterung“ - Interview des türkischen Internetportals „soL portal“ und der  Zeitung „Boyun Egne“ (November 2015) - Text des Interviews im Portal „scharf-links“